Aus den Trümmern in die Freiheit
Der Weg aus der Tyrannei in die friedvolle Freiheit
Wie auch auch auf die gesamte Welt hatten die beiden Weltkriege erhebliche Auswirkungen auch auf die kleine aber feine Stadt, Hitdorf!
Der 1. Weltkrieg vom 28. Juli 1914 - 11. November 1918
Der 1. Weltkrieg hatte für die beschauliche Stadt Hitdorf keine direkten Auswirkungen bezüglich der Zerstörung und oder direkten Kriegseinwirkungen auf den Ort, da sich die Fronten jenseits der damaligen Deutschen Grenzen befanden.
Natürlich veränderte sich auch in der Stadt Hitdorf das alltägliche Leben in Folge der Kriegseinwirkungen.
・Fachkräftemangel durch den grossen Zustrom begeisterter Freiwilliger in die
Deutsche Wehrmacht
・Entbehrungen durch Kriegsabgaben an das Kaiserreich
・Rationierungen und Zuteilungen von Nahrungs- und Betriebsmitteln für die
Bevölkerung
・Verlust von gefallenen und oder verwundeten Ehemännern, Vätern und Söhnen
Die Stadt Hitdorf hatte im November 1918 über 60 Gefallene und Vermisste Hitdorfer Bürger zu beklagen.
Schon in den Jahren 1917 / 1918 beauftragte die damalige Hitdorfer Stadtregierung keinen geringeren als den Architekten Prof. Emil Fahrenkamp, Erbauer des Hitdorfer Rathauses, mit der Errichtung eines Hitdorfer Ehrenmals zur Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten Hitdorfer Bürger/Soldaten.
Dieser Entwurf wurde aber durch die Nachkriegswirren und die irrsinnigen Reparationszahlungen und der damit rennenden Inflation in Deutschland nicht umgesetzt.
Erst im Jahr 1928 wurde ein neuer Entwurf eines Ehrenmales des Architekten Fritz Fuß & Willy Meller aus Köln umgesetzt und an der Park- ehem. Schulstrasse errichtet und am 21. November 1928 feierlich eröffnet.
Der 2. Weltkrieg vom 01. September - 08. Mai 1945
Dieser 2. Weltkrieg bedeutete für die Stadt Hitdorf weit grössere Opfer und Entbehrungen als der vorherige 1. Weltkrieg!
Durch die Weiterentwicklung der Kriegstechnologie, Flugzeugtechnik und der veränderten Kriegsführung blieb auch Hitdorf in diesem Krieg nicht von Bombentreffern und massivem Artilleriebeschuss verschont.
Gleichwohl die Stadt Hitdorf weitestgehend von Bombenangriffen verschont blieb, hatten Rheindorf und die Stadt Monheim wesentlich schlimmer unter den Flächenbombardements zu leiden.
Überliefert ist, dass am 15. August 1942 ein zurückfliegender Alliierter Bomber seine nicht abgeworfene Bombenlast über Hitdorf fallen lies.
Aufräumarbeiten im Sägewerk Freiburg nach einem Bombentreffer 1942
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Werksgelände der Hitdorfer Brauerei AG mit
zerstörtem Fuhrpark 1942
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Bei diesem „Angriff“ fiel eine Bombe in den Hof der Villa Casper-Nees und eine weitere auf das Werksgelände der Hitdorfer Brauerei / Sägewerk Freiburg. Bei beiden Treffern war ein erheblichen Sachschaden zu beklagen.
Eine weitere Luftmine explodierte auch über der Kocherstrasse, wodurch im weiten Umkreis die Dächer der dortigen Häuser abgedeckt und auch sonstige grosse Schäden an den umliegenden Häusern und besonders auch an der nahe gelegenen Hitdorfer St. Stephanus Kirche entstanden.
Das Haus der Familie Wilden in der Kocherstrasse das 1942 durch eine Luftmine zerstört wurde
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Ein durch eine Fliegerbombe versenktes Frachtschiff im Hitdorfer Hafen 1942
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Eine weitere Bombe ging über dem Hafen nieder und traf dort ein festgemachtes Frachtschiff. Bei diesem Treffer kamen die Schiffseigentümerin und deren Tochter ums Leben.
Durch die günstige Lage Hitdorfs am Rheinstrom, dass ja auch die Querung per Fähre begünstigt, erfolgten in Hitdorf / Langel auch Übungen der Wehrmacht mittels Schiffsbrücken zum übersetzen von einem zum anderen Rheinufer. Diese Übungen erfolgten noch bis in die späten 1980er Jahre durch die Bundeswehr im Rahmen ihrer Einsatzfähigkeit und NATO-Übungen in Zeiten des kalten Krieges. Stiller „Zeuge“ dieser Übungen ist die immer noch vorhandene „NATO bzw. Panzerstrasse“ links neben dem Fähranleger.
Die durch den Artilleriebeschuss durch die Amerikaner zerstörte St. Stephanus Kirche 1945
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Die durch den Artilleriebeschuss durch die Amerikaner zerstörte St. Stephanus Kirche 1945
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Die Wehrmacht bei einer Übung der Flussquerung mittels Schiffsbrücke 1940
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Die Bundeswehr am 13. Mai 1966 bei einer Übung am Hitdorfer Rheinufer
Foto: Johann Josef Leonhard, Hitdorf
Ab Anfang März 1945 begann dann für die Hitdorfer Bürger die volle und qualvollste Leidenszeit des Krieges.
Einige Hitdorfer Bürger hatten sich in der Erahnung was da nun von der anderen Rheinseite auf sie zukommen würde, ins Bergische Land abgesetzt. Doch der Grossteil der Hitdorfer Bürger zog es vor auszuharren um das eigene Hab- und Gut vor Diebstahl und Zerstörung zu schützen.
Am 05. März 1945 setzte dann von Kölner Seite her ein sehr starker Artilleriebeschuss durch die Amerikaner ein.
In diesen ersten Stunden der direkten Krieges in Hitdorf, vielen diesem Beschuss zwei Hitdorfer Bürger zum Opfer. Der Bäckermeister Josef Kappes und die Schülerin Anita Eulenberg wurden tödlich getroffen.
In ihrer Verzweiflung und Verwirrung suchten viele Hitdorfer Bürger Schutz in den tiefen Gewölbekellern der Brauerei AG. Als die Brauerei dann mal durch den Beschuss in Flammen stand, löschten eben diese Menschen die Flammen mit was? Natürlich mit
🍺Bier!🍺 Denn das war das einzige „Flüssige“, was man in diesem Moment zur Hand hatte!
Ein jammervolles Leben begann nun für die verbliebenden Hitdorfer Bürger. In einer dieser ersten Nächte traf eine dieser Granaten die Tabakfabrik Dorff auf der Langenfelder Strasse, so das dies völlig ausbrannte.
In den folgenden Tagen lies das Artilleriefeuer nach und wurde von den Amerikanern durch Granatwerfer ersetzt, die in kurzen Abständen bis zu 40 Granaten von Langeler Seite herüber schossen und die Hitdorfer Bürger in Angst und Schrecken versetzte.
Nur in der morgendlichen Feuerpause von 06:00 Uhr - 09:00 Uhr konnten sich die Hitdorfer Bürger halbwegs sicher an das Tageslicht trauen und sich um die Täglich benötigten Lebensmittel, Wasser und andere Dinge des Täglichen Bedarfs zu kümmern.
Die Wehrmacht die zur Verteidigung des rechten Rheinufers eingesetzt war, hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon bis nach Langenfeld und weiter zurück gezogen. Einzig der Volkssturm, eine aus Zivilisten bestehende, fast unbewaffnete Gruppe, sollte und musste sich als letzte Auflehnung den Amerikanern in den Weg stellen.
Nacht für Nacht setzten grössere Trupps amerikanischer Soldaten über den Rhein und durchstreiften die Strassen und Gassen von Hitdorf auf der Suche nach Feinden und Gegnern, die ihnen über den Weg in die Finger liefen.
Am 26. März brannte durch starken Beschuss mit Phosphor-Granaten der südliche Kirchturm der St. Stephanus Kirche. Gleichzeitig brannten die Häuser Röhrig (Metzgerei), das Haus Klütsch und Neeß. Im weiteren Verlauf dieses Brandbombenbeschusses wurde auch die Böttcherei Gewaltig (Fassfabrikation) und der Rheinische Hof getroffen, die dann auch völlig ausbrannten. Rühmlich hervorgetan haben sich bei dem Kirchturmbrand der
Brandmeister Jakob Figge und der Dachdeckermeister Ludwig Kunz, die jeder Gefahr trotzend das Feuer soweit in Schach hielten, dass ein Übergreifen auf das Kirchendach verhindert wurde.
Lieutenant Tully vom 504. Fallschirmjägerregiment beim „Handshake“ mit dem Kaplan Kozak in Hitdorf 1945
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Amerikanische Soldaten beim posen mit dem Deutschen Fräuleinwunder 1946 in Hitdorf
Foto: Michael Hohmeier, Stadtarchiv Monheim
Der 06. April 1945 war die schlimmste Nacht für die Hitdorfer Bürger. In der Nacht setzten grosse Verbände amerikanischer Soldaten über den Rhein und besetzten das schwer beschädigte Städtchen Hitdorf. Reste von versprengten deutschen Soldaten gingen mit ihren Panzern zum Gegenangriff über und zwangen die Amerikaner unter grossen Verlusten zum Rückzug auf die linke Rheinseite. Am 16. April konnte dann die Stadt Hitdorf kampflos von den Amerikanern besetzt und befreit werden. Die restliche anwesende Wehrmacht hatte sich im Anbetracht ihrer ausweglosen Situation ins Bergische Land zurück gezogen. Und somit begann auch für Hitdorf die Befreiung aus der Nazi-Tyrannei und der Weg in eine freiheitliche und friedliche Demokratie!.
Diesem 2. Weltkrieg fielen ca. 200 Hitdorfer Bürger / Soldaten zum Opfer dieses unmenschlichen Nationalsozialistischen Irrsinns. Diese Gefallenen und Vermissten wurden dann auch auf dem Hitdorfer Ehrenmal zum Gedenken verewigt.
Eine weitreichendere Dokumentation dieses Themas finden sie >> Hier <<
Ein Veteran kehrt zurück!
Im August 2008 geschah etwas historisches in Hitdorf! Ein Veteran kehrte 63 Jahre nach Kriegsende an den Ort dieses schrecklichen Geschehens zurück.
Der 82 Jahre alte US-Amerikaner Leonhard Keck, ehemaliger Soldat des 504. Falschirmjägerregiments der 82. Luftlandedivision, besuchte Hitdorf und schwelgte dabei in Erinnerungen an die vergangene Zeit.
Den ganzen Bericht der Rheinischen Post finden sie >> Hier <<
Der ehem. US-Soldat Leonhard Keck bei seinem Besuch in Hitdorf im Jahr 2008
Foto: Rheinische Post Online
Last Update 27. Juni 2026